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1…2…3…ran an den Herd !
Artikel vom 12.05.2010 im Prinz TOP Guide Kinder Stuttgart - von Sabine Gallner
Essen macht Spaß. Es selbst zuzubereiten noch viel mehr. Kochkurse für Kids zeigen, dass Pommes & Co. auf Dauer langweilig sind. Annabel Jones und Sonja Lenz wissen, was Kindern Spaß macht und schmeckt.
„Probiert wird alles“, sagt Annabel Jones in die Runde, „denn nur dann könnt ihr wirklich entscheiden, was euch nicht schmeckt.“ Jones lacht und ergänzt: „Manchmal muss man die Kinder einfach drauflupfen.“ Seit 2009 gibt die gelernte Hotelfachfrau Kinderkochkurse im Leonberger Brauhaus Sacher. Und die Kleinen sind voll bei der Sache. Das ist auch in Sonja Lenz’ Kinderkochkursen der Fall. Die einstige IT- Referatsleiterin machte mit „Kultweine-Kochwelten- Kunststücke“ 2007 in Hedelfingen ihr Hobby zum Beruf. Auch bei ihr müssen die Kinder alles probieren, was kein Problem ist, denn: „Die Kinder sind neugierig und meistens kommen sie aus Familien, in denen auch viel gekocht wird.“ Wenn also bei Jones Maultaschen mit selbst gemachtem Nudelteig und Spinatfüllung auf dem Plan stehen, kann’s schon vorkommen, dass bei Spinat einige der Kids das Gesicht verziehen. Egal, am Ende sind die meisten begeistert von dem, was sie selbst produziert haben. Bevor es in der Küche jedoch los geht, gibt es Infos zu Sauberkeit und Sicherheit im Umgang mit Messer, Kochlöffel und dem heißen Herd. Darauf legen Jones wie Lenz besonderen Wert. Hochkonzentriert sind die Kinder am Werkeln und natürlich will jeder alles machen. Dann wird geschnippelt, gerührt und natürlich probiert. Gekocht wird ausschließlich mit frischen, regionalen und saisonalen Produkten. Sonja Lenz steigt in ihrer eigens hierfür eingerichteten Kochschule gerne mit einem kleinen Quiz mit Geschmackstest zu Obst, Gemüse und Kräutern ein. Auch bei Annabel Jones gibt es Kräuterkunde: „Wir zerreiben Minze und Salbei zwischen den Fingern. Dabei lernen die Kinder wie das schmeckt, was man damit macht und wozu es passt.“ Dass ein Kind, wie beim Lasagne-Kochkurs, nach der Gewürzmischung fragt, kommt derweil eher selten vor. Am Ende war der kleine Koch ganz baff, wie lecker die Lasagne ohne das „Päckle“ geschmeckt hat.
Pasta geht immer
Gekocht wird in den Kinderkochkursen in kleinen Gruppen, weil man sich da sehr gut um
jeden Teilnehmer kümmern kann. Eine Altersbegrenzung gibt’s nicht wirklich, aber Kinder
ab acht Jahren können die vielfältigen Informationen besser aufnehmen. Wenn nicht gerade ein besonderes Thema wie „Torten selbst gemacht“ auf dem Plan steht, wird in den Kursen ein 3-Gänge-Menü gekocht. „Meistens ist aber ein Gericht mit Pasta dabei, weil das die Kinder am liebsten essen“, erklärt Sonja Lenz. Und der Nudelteig wird
natürlich sowohl in Leonberg als auch in Hedelfingen immer selbst gemacht. Schließlich
soll jedes Kind erfahren, wie frische Pasta schmeckt und wie Ravioli oder Maultaschen
gefüllt werden. Beim Gemüseputzen helfen alle zusammen, aber auch sonst schauen die
beiden Kochleiterinnen in ihren Kursen, dass jedes Kind alles einmal gemacht hat.
Kinder sind ehrlich
Warum es die beiden an den Herd mit Kindern zieht, liegt für beide auf der Hand. „Es macht
einfach Spaß mit Kindern zu kochen“ erklärt Sonja Lenz. Und für Annabel Jones ist es wichtig, „Kindern etwas mitzugeben“. Zwei ihrer Schüler kommen regelmäßig und sind, wenn es um das selbst gekochte Essen geht, ehrliche Kritiker. Leon schrieb in Annabels Gästebuch: „Es war sehr schön, nur der Kartoffelsalat hat nicht geschmeckt, aber die Maultaschen waren Weltklasse.“
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Wo Radieschenmäuse im Kressebett sitzen !!!
Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung vom 21.08.09 - von Stefan Bolz
Leonberg/Weil der Stadt Gesunde Ernährung muss nicht langweilig sein, erfahren Kinder bei einem Kochkurs speziell für sie. Von Stefan Bolz
Viele Kinder wachsen mit einer Ernährung auf, die hauptsächlich aus Dingen wie Fischstäbchen, Tiefkühl-Pizza und Hamburgern besteht. Kein Wunder, dass manche von ihnen der Anblick einer rohen Zucchini oder frischer Kräuter in ehrliches Erstaunen versetzt. Die Höfinger Hotelfachfrau Annabel Jones will das ändern: Sie bietet zusammen mit ihrer Kollegin Stephanie Zeitler aus Neuhausen Kinderkochkurse an.
Es ist ein sonniger Samstagvormittag in der Küche des Schwarzen Adlers in Leonberg: Wo sonst der Koch Steffen Fink und sein Team zaubern, wuseln Charlotte, Colin, Jana und Larissa zwischen Töpfen und Schüsseln herum. Auf dem Kopf tragen sie Kochmützen mit ihrem Namen, gleich aussehende weiße T-Shirts machen das Küchen-Outfit perfekt. "Ist das gut so?", fragt Colin und zeigt Annabel Jones den Nudelteig, den er gerade durch eine Walze dreht. "Klar, solange die Finger noch dran sind", antwortet die 29-Jährige, und alle lachen fröhlich. Was gewollt ist, schließlich sollen die Kinder vor allem lernen, dass es Spaß macht, gemeinsam eine Mahlzeit zuzubereiten.
Mit Wurstbrot und Spiegelei lassen es Annabel Jones und Stephanie Zeitler dabei nicht bewenden. Drei Gänge dürfen es schon sein, ganz gepflegt mit Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch. Dass eines der Kinder keine Milchprodukte verträgt, hindert sie nicht, es nicht trotzdem mit einer Champignon-Zuccini-Sahnesauce zu versuchen - wozu gibt es sonst Sahne aus Soja oder Hafer?
Während die Kinder aus Weil der Stadt, Rutesheim und Leonberg munter schnippeln und rühren, schaut Annabel Jones aufmerksam zu: "Es ist schon erstaunlich, wie konzentriert und diszipliniert die Kinder immer dabei sind", sagt sie über ihre bisherigen Kochkurse. Berührungsängste hätten eigentlich eher die Eltern. "Die fürchten, dass ihre Kleinen dann künftig immer drei Gänge haben wollen", vermutet die angehende Gastronomiebetriebswirtin schmunzelnd. Dabei versteht sich der Kochkurs eher als Anstoß, über den Tellerrand von Fast-Food und Fertigmenüs hinauszublicken. Entsprechend steht nicht nur Kochen und Essen auf dem Programm. "Wir zeigen den Kindern auch, wie man einen Tisch schön deckt, wie man leckere, alkoholfreie Cocktails macht und welche Manieren bei Tisch gefragt sind", erklärt Stephanie Zeitler, die in Neuhausen auf den Fildern ebenfalls Kinderkochkurse organisiert. Auf den Tisch kommen nur saisonale Zutaten aus der Region - Produkte eben, die den Kindern auch mal außerhalb der Küche, etwa beim Spazierengehen begegnen können.
Im Schwarzen Adler hat Chefkoch Steffen Fink derweil den großen Heißluftofen für die Muffins angeworfen. Dass der Nachtisch als erstes drankommt, sorgt für Erstaunen bei der kleinen Schar. "Die Muffins müssen ja nach dem Backen erst noch abkühlen", erklärt Annabel Jones und zeigt Colin, wie das mit dem Teig und dem Muffinblech funktioniert. Ein paar Meter weiter haben sich Larissa und Jana in die Produktion von "Radieschen-Mäusen" vertieft. Mit ein paar Handgriffen werden aus den würzigen Knollen lustige kleine Mäuschen, die für die Vorspeise auf einem grünen Kresse-Bett Platz nehmen - "das Auge isst mit" lautet eine weitere Lektion.
Steffen Fink sieht das bunte Treiben in seiner Küche mit zufriedener Miene. "Es ist schon erschreckend, wie wenig die Menschen manchmal über Nahrungsmittel wissen", sagt der Koch. Viele seien es gewöhnt, nur noch "nebenher" zu essen und nur noch auf schnell zubereitete Fertigprodukte zurückzugreifen. Dass Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben, hält Fink für eine Folge dieses gestörten Essverhaltens: "Da kann man gar nicht früh genug anfangen, gegenzusteuern", hebt Steffen Fink hervor.
Drüben im Speisesaal wird es langsam ernst: Der Tisch ist gedeckt, in den Schüsseln und Terrinen dampft es, eine verführerische Duftmischung aus Zitronensirup, Balsamicoessenz, Nudeln und Champignons liegt in der Luft. "Hmm, lecker", sagt Jana und strahlt über das ganze Gesicht. Den vier Jungköchen schmeckt es. Und dass sie das alles selbst gemacht haben, macht sie auch sichtbar stolz.
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